Volto Santo in Lucca
Wie einzelne Kunstwerke im Mittelalter das Volks beeinflussen konnten, zeigt Volto Santo von Lucca in der Toskana. Dieses Kunstwerk brachte den Kult um die Heilige Kümmernis hervor. Bei besagter Heiligen handelt es sich um eine fiktive Gestalt. Sie wurde auch nie von der offiziellen Kirche als Heilige oder Seelige anerkannt. Trotzdem ist sie im Volksglauben vor allem im süddeutschen Raum, Österreich und Südtirol weit verbreitet.
Die Legende will, dass es sich bei der Heiligen Kümmernis um die Tochter eines heidnischen Königs handelte, die ihr Leben ganz dem christlichen Gott weihen wollte. Als ihr Vater sie verheiraten wollte, betete sie zu Maria um einen männlichen Bart, was ihr auf wundersame Weise gewährt wurde. Der König soll darüber so erbost gewesen sein, dass er seine Tochter ans Kreuz nageln ließ.
Tatsächlich lässt sich der Kult um die Heilige auf eine Kreuzigungsdarstellung im Dom von Lucca zurückführen. Mit den orientalischen Gesichtszügen des Christus und seiner bodenlange Kutte (statt eines Lendenschurzes) konnte das einfache Volks nichts anfangen. Auf Münzen und als Kopie der Kreuzigungsdarstellung hatte sich das Bild nicht so sehr in der Toskana sondern mehr im angrenzenden deutschen Sprachraum verbreitet und so den Kult begründet.