Wie einzelne Kunstwerke im Mittelalter das Volks beeinflussen konnten, zeigt Volto Santo von Lucca in der Toskana. Dieses Kunstwerk brachte den Kult um die Heilige Kümmernis hervor. Bei besagter Heiligen handelt es sich um eine fiktive Gestalt. Sie wurde auch nie von der offiziellen Kirche als Heilige oder Seelige anerkannt. Trotzdem ist sie im Volksglauben vor allem im süddeutschen Raum, Österreich und Südtirol weit verbreitet.
Die Legende will, dass es sich bei der Heiligen Kümmernis um die Tochter eines heidnischen Königs handelte, die ihr Leben ganz dem christlichen Gott weihen wollte. Als ihr Vater sie verheiraten wollte, betete sie zu Maria um einen männlichen Bart, was ihr auf wundersame Weise gewährt wurde. Der König soll darüber so erbost gewesen sein, dass er seine Tochter ans Kreuz nageln ließ.
Tatsächlich lässt sich der Kult um die Heilige auf eine Kreuzigungsdarstellung im Dom von Lucca zurückführen. Mit den orientalischen Gesichtszügen des Christus und seiner bodenlange Kutte (statt eines Lendenschurzes) konnte das einfache Volks nichts anfangen. Auf Münzen und als Kopie der Kreuzigungsdarstellung hatte sich das Bild nicht so sehr in der Toskana sondern mehr im angrenzenden deutschen Sprachraum verbreitet und so den Kult begründet.
In den ersten Jahrhunderten des Mittelalters bricht das belagerte und durch Invasionen geschwächte Europa in sich zusammen.
Die sonst so stolzen Städte verfallen, die Wirtschaft zerbricht, Handel und Gewerbe kommen fast zu Stillstand oder erleiden grosse Einbussen.
Auf dem Gebiet der Kunst ist in dieser Zeit alles in Bewegung und Wandel. Neue Einflüsse aus den Norden, Schmiede und Metallarbeiten, aber auch meisterhafte Bauarbeiten der Araber haben einen Einfluss auf diese Epoche.
Auch die heute noch bestehenden Burgen gehen auf diese Zeit zurück.
Gegen Ende des 1. Jahrhunderts bilden sich in Europa schliesslich neue Strukturen heraus, deren hervorstechendstes Merkmal starke religiöse Spannungsfelder sind.
Die Entwicklung neuer Städte und damit verbundenen religiösen Orden führt zu neuen charakteristischen architektonischen Formen. Hier entstehen auch neue Betätigungsfelder für Bildhauer, Architekten, Maler und Kunsthandwerker.
Der romanische Stil mit seiner nüchternen Strenge und die Gotik mit den immer höheren, schlankeren und ausdruckvolleren Strukturen und Formen haben ihren festen Platz in der Kunstgeschichte.
In der ersten Hälfte des Mittelalter (5.-7. Jahrhundert) wurden durch die Wanderung der Völker aus dem Norden und Osten Europas, die es meisterhaft verstanden aus Metall und dem Fassen von Edelsteinen Schmuckstücke wie Kronen, Amuletten, Gewänder, Geschmeide und ähnliches herzustellen, Fuss zufassen. In der Zeit der Christianisierung erhielten dadurch viele Kirchen Schmuckstücke und Wertgegenstände aus Gold, Silber und Elfenbein sowie mit kostbaren Edelsteinen.
Ebenfalls fanden sich in den heiligen Schriften durch jahrzehnte lange Arbeiten der Mönche kunstvolle Handarbeiten mit prächtigen Initialen, welche durch reichhaltige Verziehrungen und Ornamente hingebungsvoll erschaffen wurden. Um den Seiten einen ebenbürtigen Einband zu verleihen, bestanden die Buchhüllen aus Gold und Silber auch hier reichlich mit Edelsteinen verziert.
Romanische Kunst fand sich in der Architektur durch innovativen Einsatz von Kreuzgratgewölben wieder.
Diese aus den Durchdringen zweier Tonnengewölbe entstandene Element wurde zwar bereits von den Römern verwendet, in der Romantik jedoch ganz bewusst zusammen mit den unterstützenden Pilastern oder Halbsäulen zur Gliederung des Langhauses in gleich grosse, später oft quadratisch Joche eingesetzt. Das römische Kreuzgewölbe ist eine schwere Konstruktion, deren grösstes technisches Problem der Gewölbeschub darstellt. Diesen Schub leitet der romanische Gurtbogen ab und wird dabei zunehmend von Rippen unterstützt, woraus sich später in der Gotik die Kreuzrippen – und Netzgewölbe entwickeln, die mit dünnen Steinplatten verschalt werden. Die Rippen münden wechselweise in Stützen und Säulen, wobei die stärkeren Stützen dem Schub des Hauptgewölbes standzuhalten haben.
Nach viel Zerstörung, Eroberungen und einer Zeit voller Angst und Schrecken kehrten Lichtblicke nach Europa und die Baukunst erhielt einen neuen Aufschwung, indem besonders die Kirchen und Klöster, welche nach wie vor die unumschränkte Macht und Hauptbauträger dieser Zeit waren, in teilweise neuen Gebieten errichtet wurden.
Kirchen und Kathedralen wurden gross genug entworfen, damit auch alle Gläubigen aus dem Umfeld zusammengeführt werden konnten. Der Grundriss der Basilika wurde durch ein Querhaus erweitert, unter dem Apsis mit Altar befand sich nun eine Krypta zum Aufbewahren von Reliquien. Die mächtigen Baukörper ist mit Kreuzgewölben überspannt wurden, welche von starken Stützpfeilern getragen werden. Dickere Mauern sind vor allem von aussen mit Stützpfeilern und Verstärkungen versehen, damit die durch die Eingänge durchbrochenen Fassaden dem Druck der Gewölbe standhalten können. Dieser Baustil breitete sich von Norditalien und der Lombardei durch reisende Handwerker und Bauschulen langsam nach Deutschland und Frankreich aus.
Ein Querschnitt durch die San Michele Kirche in Pavia wird deutlich, das eine räumliche Trennung von Frauen und Männern in Messen möglich war, indem die Gliederung des Gewölbes mit Rippen und Gurtbögen, die in gebündelten Pilaster zusammenlaufen sowie über die Seitenschiffe liegende Galerien aufweisen. Aber nicht nur das, so war auch die Frage der Statik, die Verteilung des Schubs auf die Seitenschiffe, geklärt. Die Fassade ist mit Blendarkaden, für lombardische Kirchen kennzeichnend, verziert.
Plastiken im Mittelalter zeigten Szenen des täglichen Lebens, hauptausschlaggebend sind die Bauern, die an den Portalen der Kathedralen und Kirchen in realistischer bildhauerischer Arbeit zu sehen sind.
Benedetto Antelami (1178-1227) gilt als wichtigster Künstler dieser Epoche. Er entwarf die Baptisterium von Parma, eines der perfekten Bauten romanischer Baukunst. Er erschuf mit seinen Schülern ein Werk mit Aussagekraft, wobei die Hochreliefe Szenen aus dem Leben Jesu, sowie Monate des Jahres zu bewundern sind.
Obwohl die Figuren stark stilisiert und massig wirken, sind die zwölf Monate lebendig dargestellt, sie lassen die Mühe und Anstrengung der Bauern deutlich erahnen. Zusätzlich ist jede Figur mit einem Sternkreiszeichen versehen, was die Bestimmung und die Symbolik erleichtern und dem Ganzen einen Sinn verleiht.